Konzerte 2019
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Philosophie
Soirée Russe
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Programm
Nikolai Gogol (1809–1852) Die Nase
Nikolai Rimsky-Korsakow (1844–1908) Allegro aus dem quatuor sur le nom B-la-F aus der Sammlung «les vendredis»
Igor Strawinsky (1882–1971) Trois pièces pour quatuor á cordes
Concertino pour quatuor á cordes
Alfred Schnittke (1934–1998) Canon in memoriam Igor Strawinsky


Zum Programm
Igor Strawinsky wurde 1882 in Oranienbaum in der Nähe von Sankt Petersburg in Russland geboren. Schon früh lernte er Klavier spielen und interessierte sich für Musiktheorie und die umfangreiche Partitursammlung seines Vaters, der Sänger war. Nach dem Schulabschluss studierte er gemäss dem Wunsch seiner Eltern zunächst widerwillig Jura, wobei er schliesslich nebenbei auch Harmonie-Unterricht nehmen durfte. Den Sommer 1902 verbrachte er mit Nikolai Rimsky-Korsakovs Familie in Heidelberg; dieser riet Stravinsky, bei ihm Privatunterricht zu nehmen. So wurde der damals wohl bekannteste russische Komponist bis zu seinem Tod 1908 ein entscheidender Mentor Stravinskys.
Das nach innen gerichteten russische Kulturleben, welches eingeschränkt und provinziell auf ihn wirkte, erhöhte Stravinskys Verlangen nach der Aussenwelt. 1910 reiste er erstmals nach Paris, dort wurden seine heute bekanntesten Werke, die Ballette L’Oiseau de feu und die Nachfolgewerke Petruschka und Le Sacre du printemps aufgeführt. Kriegsbedingt verliess er Frankreich und begab sich 1940 endgültig nach Amerika.
Seinen musikalischen Schaffensprozess fasste Strawinsky ganz unromantisch handwerklich auf. Er zielte auf ein rationales Verstehen seiner Musik bei den Zuhörern und wollte keine Gefühle erzeugen. Dementsprechend forderte er von den Dirigenten und Ausführenden eine genaue, werkgetreue Wiedergabe seiner Kompositionen ohne eigene Interpretationen. Verständnislos reagierte er auf Kritiker seiner späteren Werke, die den Stil der früheren Werke absolut setzten und nicht bereit waren, seine weiteren Entwicklungen zu akzeptieren. Igor Strawinsky starb am 6. April 1971 in New York.
«Meine Trauer, von meiner Heimat fern zu sein, wurde durch die Freude aufgewogen, die ich bei der Vertiefung in die russische Volksdichtung empfand», notiert Strawinsky in seinen Memoiren. In seinen «Erinnerungen an Igor Stravinsky» schreibt der Waadtländer Schriftsteller Ferdinand Ramuz: «Schliesslich erzählte mir Stravinsky von Gogol. Oder Stravinsky holte mir auch aus der Bibliothek den Band mit den Erzählungen, die Tolstoi für die Kinder seiner Schule geschrieben hatte. All dies in buntem Durcheinander, die Novellen von Tolstoj, Gogol und die kleinen Dramen von Gogol oder Puschkin: Literatur, die aber keine Literatur mehr war, und Literaten, die Menschen waren; alle die grossen Russen des grossen Russlands, stundenlang, unerschöpflich; aber Russland ist unerschöpflich, es ist ein riesengrosses Land, und mein Land ist ganz klein; und doch war es damals so, als ob sie ineinander übergingen, als ob sie nur noch ein Land wären.»
«Die Nase» ist eine Erzählung des russischen Dichters Nikolai Wassiljewitsch Gogol aus dem Jahre 1836. Sie gehört zu den Petersburger Novellen und gilt als erstes surrealistisches Prosastück avant la lettre in der russischen Literatur.
«Les Vendredis» ist der Titel einer Sammlung von Quartettsätzen russischer Komponisten aus den 80er Jahren des neuzehnten Jahrhunderts. Die Bezeichnung spielt auf die musikalischen Gesellschaften im Hause des reichen Holzhändlers Mitrofan Belaieff in St. Petersburg an. Anfangs spielte man ausschliesslich Quartett, wobei der Hausherr die Bratsche spielte. Dabei wurde die klassische Streichquartett-Literatur systematisch und der Reihe nach durchgearbeitet. Im Laufe der Zeit wurden aus den «Freitagen» grosse Abendgesellschaften, bei denen in allen möglichen Kombinationen musiziert wurde. Nach dem Pflichtprogramm setzte man sich, wie Rimsky-Korsakov in seinen Memoiren berichtet, ans Abendessen, das immer überreichlich und von ausgiebigem Alkoholgenuss begleitet war. Danach wurde bis drei Uhr nachts weitergespielt, wobei manche Musiker ihre neuesten Werke vorstellten. Zu Belaieffs 50. Geburtstag 1886 entstand eine Gemeinschaftsproduktion von Rimsky-Korsakov, Borodin, Ljadov und Glasunov: ein Streichquartett über die Tonfolge B-La-F.
Strawinskys Streichquartettwerke stammen aus zwei Schaffensperioden. Aus der russischen Phase, der die berühmten Ballette angehören, stammen die «Trois pièces». Sie wurden 1914 während Strawinsky Zeit am Genfersee als Klavierstücke entworfen und dann für Streichquartett umgearbeitet. Der russische Stil wird im ersten und dritten Stück hörbar. Das erste Stück ist in der Ernest Ansermet gewidmeten Orchesterversion als «Danse» bezeichnet. Das zweite, «Excentrique», erinnert mit seinem clownesken Charakter an eine Phrase in «Petruschka»; das dritte, als «Cantique» bezeichnet, klingt an russische liturgische Gesänge an. Das Concertino für Streichquartett ist die erste von drei existierenden Versionen dieses Werkes. Stravinsky komponierte es im Sommer 1920 als Auftragswerk für Alfred Pochon, den Primgeiger des berühmten Flonzaley Quartettes. Stravinsky schreibt dazu: «Herr Pochon wünschte ein zeitgenössisches Werk in ihr damals fast ausschliesslich klassisches Repertoire aufzunehmen: Form und Länge ganz nach meinen Wünschen. So habe ich für sie ein Stück in einem einzigen Satz komponiert, das formell einem freien Allegrosatz mit einer concertanten Stimme für die erste Violine entspricht.»
1971 bestellte das Londoner music magazine Tempo kurze Werke für Streichquartett in Andenken an den im selben Jahr verstorbenen Igor Stravinsky. Alfred Schnittkes «Canon in Memory of Igor Stravinsky» war eines davon. Es ist kein wirklicher Kanon, sondern eine Studie in Heterophonie: Eine Serie von kurzen Phrasen wird von allen Stimmen gespielt, aber in verschiedenen genau definierten Rhythmen. Das ergibt eine Reihe von chromatischen Akkorden, kreiert von einer Interaktion jeder einzelnen Phrase mit anderen rhythmischen Formen in den anderen Stimmen.


Mitwirkende
Franzisa von Fischer, Lesung
Monika Baer, Violine
Jemma Abrahamyan, Violine
Renate Steinmann, Viola
Judith Gerster, Violoncello


Aufführung
Freitag, 24. Mai 19.30 Uhr Aula Kantonsschule Wettingen keine Reservation

Eintrittspreise
Erwachsene CHF 30.00
Schüler/Studenten/Lehrlinge gratis
Kinder bis 10 Jahre gratis